· 

Leseprobe Goldfieber

Kapitel 7. Wild Wild West. Goldrausch in Nordamerika

 

« Gold! Gold! Gold from the American River!»,
— Zeitungs-Schlagzeile der Sacramento Transcript, 29. Mai 1848

 

 

« Somewhere in those mountains,
there’s enough gold to make you rich for life.
»,
— Jacob Waltz

 

 

 

 

Kalifornien, 1850. Der Himmel über dem Feather River war glühend orange, die Hitze des Tages noch immer spürbar in der staubigen Luft, als sich Jacob Waltz, die Stirn mit dem Ärmel wischte. Seine Finger waren wund vom Schaufeln, seine Augen rot vom Staub, aber in seinem Herzen glomm ein unbezwingbarer Funke. Nächste Woche wird er 40 Jahre alt, und was hatte er bisher erreicht? Er hat sich als Farmer und Minenarbeiter durchgeschlagen, und war letztes Jahr auf die Goldfelder von Kalifornien gekommen.

 

 

„Noch einmal sieben Schaufeln, murmelte er auf Deutsch. „Nur sieben. Dann ist die Pfanne voll.

 

Neben ihm fluchte ein jüngerer Mann, Edward, als er seine Pfanne leer ins Wasser tunkte. Er hatte dunkles Haar, eine hohe Stirn, und war trotz der widrigen Umstände sauber rasiert.

 

„Kein einziger verdammter Krümel, zischte Edward. „Drei Wochen harte Arbeit, und alles, was ich habe, sind Blasen und Flöhe.

 

„Vielleicht heute Nacht, bei der tieferen Biegung, Hargraves , sagte Jacob in gebrochenem Englisch zu dem Mann zu seiner Rechten. „Dort glänzte es gestern.

 

„Glänzte alles gestern, knurrte Edward.

 

„Das ist es für mich, ich gehe zurück nach Australien .

 

Sie standen bis zu den Knien im kalten Flusswasser. Ringsum schaufelten, schlugen, schrien Dutzende Männer. Die Geräusche waren ein einziges, wildes Durcheinander aus klirrendem Metall, heiserem Lachen, Husten, Flüchen und hin und wieder einem Revolverschuss in der Ferne. Das Lager war unruhig in diesen Tagen – zu viele Neuankömmlinge, zu wenig Geduld, und das Gold, so schien es, wurde täglich seltener.

 

 

 

Ein Schrei zerriss plötzlich die Luft.

 

„MEINS!“ bellte eine Stimme von weiter unten am Fluss. „Verdammt noch mal – MEINS!

 

Alle Köpfe fuhren herum. Ein Mann mit zerrissenem Hemd, breiten Schultern und irrem Blick hielt ein goldenes Nugget hoch, so groß wie ein Daumenglied.

 

„Ich habs!“ brüllte er. „Ich hab die Hauptader gefunden!

 

In Sekunden war er umringt. Zwei Männer versuchten, ihm das Stück zu entreissen, ein Dritter zog ein Messer. Dann krachte ein Schuss – einer der Angreifer sackte stöhnend in den Schlamm.

 

Jacob riss instinktiv den jüngeren Hans zur Seite. „Runter!

 

Ein Pferd wieherte, Männer rannten. Der Goldfund hatte ein kleines Schlachtfeld entfesselt.

 

„Scheisse!“ Hans keuchte. „Das wird hässlich.

 

Jacob zögerte nicht. Mit einem Sprung war er aus dem Wasser, seine nassen Stiefel schmatzten durch den Matsch. Er zog den kleinen Colt, den ihm ein alter Trapper in San Francisco verkauft hatte. Der Griff war locker, die Trommel verrostet. Aber sie funktionierte.

 

Er drängte sich durch die Menge. Der Mann mit dem Nugget war verschwunden. Stattdessen lagen zwei Körper im Schlamm. Blut vermischte sich mit dem Flusswasser.

 

Ein rauer Amerikaner mit langem Bart trat neben ihn. „Du neu hier, Bursche?

 

Jacob nickte vorsichtig.

 

„Dann hör gut zu. Wenn du was findest, sag niemandem was. Grabe nachts, rede wenig. Und vertrau niemandem, nicht mal deinem Schatten.

 

Er wollte weitergehen, blieb dann stehen und sah Jacob prüfend an. „Wie heisst du?

 

„Jacob. Jacob Waltz.

 

„Deutscher, ja? Dann hör auf einen Amerikaner. Wenn du Gold willst, geh tiefer. Und weiter. Hier ist nur Blut übrig.

 

 

 

***

 

 

 

Zwei Jahre zuvor, im Januar 1848 veränderte ein Goldfund die Zukunft der noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika. Es ist der 24. Januar 1848. James Wilson Marshall, ein Zimmermann aus New Jersey, arbeitet im Auftrag von John Sutter am Bau einer Sägemühle am American River in der kleinen Siedlung Coloma, nordöstlich von Sacramento. Das Wasser des neu angelegten Mühlgrabens fliesst schnell über Kies und Steine. Marshall ist dabei, den Wasserlauf zu inspizieren, als ihm am Grund des Grabens etwas Ungewöhnliches ins Auge fällt: Kleine, glänzende Steine, die im Wasser aufblitzen.

 

Was James Marshall da fand, war Gold. Reines Gold. Und mit einem Mal richtete sich der Blick von Tausenden Männern und Frauen auf den noch kaum erschlossenen Westen der USA.

 

Obwohl Marshall und Sutter die Entdeckung eigentlich geheim halten wollen, breitet sich die Nachricht vom Goldfund wie ein Lauffeuer aus. Zunächst entlang der amerikanischen Ostküste, bald darauf über Ozeane hinweg bis nach Europa, Südamerika, Australien und China. 1849 machten sich die ersten Wellen von Glücksrittern, Siedlern, Abenteurern und Spekulanten auf den Weg gen Westen. Diese erste Welle von Einwanderern wurde bekannt als die „Forty-Niners“. Viele verkauften alles, was sie besassen, in der Hoffnung, am Ende eines beschwerlichen Weges reich zu werden. Die grosse Verheissung hiess Kalifornien.

 

 

DIES IST EIN AUSZUG AUS DEM BUCH "GOLDFIEBER" von Torsten Dennin, welches im 2. Halbjahr 2026 im Deutschen Buchhandel erscheint. 

 

 

Instagram Book Page

 

Facebook Goldfever

 

Youtube Kanal Goldfever

 

LinkedIn Book Page

 

 

Experts in Finance. Committed to Cryptos and Commodities.

Lynkeus Capital GmbH | Vorderbergstrasse 24 | 6318 Walchwil/Zug

E-Mail: [email protected]
© 2026